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FRAGE  &  ANTWORT

Kennen Sie Ihren Atemtyp?

 

Die bipolare Atemtypenlehre ist ein herausforderndes Thema für Yogalehrende (und auch Übende). Die meisten haben davon gelesen oder gehört. Aber nur wenige berücksichtigen sie im Unterricht.

 

Cornelia Fröschl, bereits ab der ersten Yoga-Stunde unterscheiden Sie die Teilnehmer nach der bipolaren Atemtypenlehre in solare Ausatmer und lunare Einatmer. Was sind denn bipolare Atemtypen?

Die bipolaren Atemtypen sind eine Entdeckung des Musikers und Geigers Erich Wilk (1915-2000). Als Geigenschüler beobachtete er, dass er nur dann einen wohlklingenden Ton erzeugen konnte, wenn er nicht die Körperhaltung seines Lehrers nachahmte. Ausgerechnet das Gegenteil führte bei ihm zum Erfolg. Später beobachtete er, dass Menschen generell auf zwei völlig unterschiedliche Weisen ein- und ausatmen. Es gibt Menschen, die aktiv einatmen und passiv ausatmen. Sie werden lunare Einatmer genannt. Menschen hingegen, die aktiv ausatmen und passiv einatmen, werden solare Ausatmer genannt. Diese typenpolare Konstitutionslehre wurde später von der Ärztin Charlotte Hagena weiterentwickelt.

 

Wozu nützt im Yoga das Wissen um den Atemtyp?

Unser Atemtyp bestimmt uns im Sitzen, Stehen, Liegen usw. Er ist uns angeboren und wirkt sich auf alle Tätigkeiten des Leben aus: Wie wir uns bewegen, wie wir Kraft aufwenden, uns erholen, auch im Schlaf. Beispielsweise schlafen die einen Menschen lieber auf dem Bauch, die anderen auf dem Rücken. Die einen auf der rechten Seite, die anderen auf der linken. Solche Vorlieben sind kein Zufall. Wer beispielsweise hauptsächlich auf der Vorderkante von Stühlen sitzt, wird sich auf Dauer nicht wohl fühlen, wenn man ihn zwingt, sich beim Sitzen hinten anzulehnen. Wir alle kennen diese Phänomene.

Es geht noch weiter: Für den einen ist ein Stuhl bequem, für den anderen ist es unmöglich, ohne Beeinträchtigung darauf zu sitzen. Die einen Menschen gestikulieren heftig und laufen ständig auf und ab, wenn sie sich unterhalten, die anderen stehen ruhig und ausdauernd. Das ist nicht allein Temperamentssache, sondern auch vom Atemtyp beeinflusst.

Haltungs- und Bewegungsanweisungen im Yoga müssen zum jeweiligen Menschen passen. Das ist entscheidend für das körperliche Wohlbefinden. Viele Menschen kommen erstmals zum Yoga, weil sie Probleme mit ihrem Rücken haben. Orthopädische Probleme können nur sinnvoll bearbeitet werden, wenn man dabei den Menschen individuell behandelt. Da kann die bipolare Atemtypenlehre eine gute Grundlage bieten.

 

Warum heißen Atemtypen solar und lunar?

Erich Wilk hat einen Zusammenhang mit dem Stand von Sonne und Mond zum Zeitpunkt der Geburt festgestellt. Das ist ähnlich wie bei den Gezeiten. Die Sonne übt einen verengenden, vertikal ziehenden Einfluss aus. Im Atemprozess entspricht dies dem „solaren Atemtyp“. Der Mondeinfluß hingegen ist horizontal dehnend. Das entspricht dem „lunaren Atemtyp“. Wenn also am Tag der Geburt eines Babys der Sonnenstand um mindestens zehn Prozent höher ist als der Mondstand, wird ein solarer Ausatmer geboren. Bei Vollmond hingegen werden fast nur lunare Einatmer geboren. Hier steht der Mond bei 100 Prozent.

 

Was für ein Atemtyp kommt heraus, wenn Sonnenstand und Mondstand bei der Geburt annähernd gleich sind?

Dann entscheidet sich der Organismus für einen der beiden Atemtypen. Welcher das ist, kann man durch Tests herausfinden. Sehr schön kann man das in den Internet-Videos des Taiji-Meisters Frieder Anders verfolgen. Er führt vor Augen, wie ein Mensch, der nicht gemäß seinem Atemtyp agiert, jede Kraft verliert.

 

Das Sonne-Mond-Prinzip hat also nichts mit den Sternzeichen zu tun?

Nein, das ist absolut kein esoterisches Thema, sondern Ergebnis einer empirischen Forschung, von Charlotte und Christian Hagena bezeichnet als "Terlusollogie". Die lunaren Menschen (Dehnungstypen) atmen brustkorbbetont und aktiv ein. Sie "holen" sich die Luft, indem sie den Brustkorb weiten und heben. Nach einer kurzen Atempause strömt die Luft passiv, also langsam und kontinuierlich aus. Man kann sich das vorstellen wie bei einem Luftballon. Man muss ihn aktiv aufblasen, um ihn zu füllen. Anschließend strömt die Luft von selber wieder aus, die Spannung läßt nach. Das ist das Prinzip des lunaren Atemtyps, auch Einatmer genannt.

Sein Gegenspieler ist der solare Atemtyp. Anders als beim Dehnungstyp bleibt der Brustkorb des solaren Typs entspannt. Im Ruhezustand atmet er erst einmal aus, nicht ein. Beim aktiven Ausatmen senkt sich das Brustbein sogar etwas. Man braucht nur einmal rechts und links die Ellbogen ein wenig anzuheben und ausatmen. Dann merkt man, wie das Brustbein nach innen schmilzt. Dabei zieht sich die Zwischenrippenmuskulatur zusammen (Verengungsprinzip). Nach einer kurzen Atempause lockert sich die Bauch- oder Flankenmuskulatur und die Luft strömt von selber ein. Der Ausatmer läßt sich also passiv mit Luft füllen. Dafür braucht er sich nicht zu bewegen oder aktiv Luft holen.  Das Prinzip ist wie bei einem Blasebalg: Um die Luft herauszupressen, muss man draufdrücken. Wenn man den Druck löst, füllt sich der Blasebalg wieder.

 

Das sind extreme Gegensätze!

Genau! Sogar so extrem, dass ein lunarer Einatmer in keiner Weise nachvollziehen kann, wie es wäre, ein solarer Ausatmer zu sein. Und umgekehrt. Ein lunarer Typ kommt erst so richtig in seine Kraft, wenn er sich in den Raum dehnt und streckt. Ein Solarer hingegen gibt sein Gewicht ab und wird im Gegenzug aufgerichtet. Die passende solare Vorstellung dazu ist "hängen wie an Marionettenschnur". Gegensätzlicher geht es nicht. Der angeborene Atemtyp bestimmt sämtliche Lebensfunktionen: Den Kreislauf, den Stoffwechsel, die Motorik. Er steuert unsere Sinneswahrnehmung und sogar, wie wir denken und empfinden. Wenn wir nicht gemäß unserem Atemtyp handeln, brauchen wir viel mehr Energie für Lebensprozesse. Das ist vergleichbar einem Motor, der nicht effizient arbeitet. Die Lebensenergie wird verschwendet. Wenn ich also einem solaren Menschen im Yogaunterricht sage, er solle tief einatmen, sich nach oben strecken und sich aus der Brustwirbelsäule nach hinten dehnen, dann wird er das als beklemmend erfahren. Dauerhaft schadet dies nicht nur dem Körper, sondern auch der Psyche.

 

Im Yoga geht es nicht allein um Körperübungen, sondern vor allem um Entspannung und innere Stille. Spielt der Atemtyp hier eine Rolle?

Selbstverständlich! Eine Definition von Patanjali lautet:

"Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Gedanken im Geist."

Wie soll das funktionieren, wenn mein Körper mir Kraft abzieht oder gar Schmerzen verursacht? Unwohlsein oder Krankheit gilt als eines der Hindernisse auf dem Yoga-Weg. Als Yogalehrende will ich dazu beitragen, Hindernisse zu beseitigen und nicht, sie zu verstärken. Mahatma Gandhi sagte:

"Konsequenz besteht darin, dass man der Wahrheit nachlebt,
so wie man sie von Augenblick zu Augenblick erkennt,
mag das dann auch inkonsequent sein
gegenüber dem Verhalten in der eigenen Vergangenheit."

Nachdem ich mich mit der bipolaren Atemtypenlehre auseinandergesetzt habe, wäre es undenkbar für mich, so zu unterrichten, als wüsste ich nichts davon.  Ich kann nicht zurück!

 

Wie haben Sie von den Atemtypen erfahren?

Zwei Bücher waren mir in der Buchhandlung sogar mehrmals aufgefallen, bis ich sie endlich kaufte: Das eine waren die "Atemtypen im Yoga", von Margarete Seyd und Anna Trökes. Das andere betrifft den Bereich der Musik: "Sonne, Mond und Stimme" von Romeo Alavi Kia und Renate Schulze-Schindler.

Die Erkenntnisse aus den beiden Büchern haben bei mir einen Paradigmenwechsel bewirkt.  Ich verstand plötzlich, warum es mir nicht möglich gewesen war, bestimmte Haltungsvorstellungen meiner Lehrer anzunehmen oder nachzuahmen. Offensichtlich hatten meine früheren Lehrer jeweils den Gegentyp verkörpert.

Während meiner Yoga-Lehrerausbildung erduldete ich beispielsweise zwei Jahre lang, dass mir in der Sitzposition ein Knie in den Rücken gedrückt und meine Schulterblätter nach hinten gezogen wurden. Die erzeugte Anspannung im unteren Rücken und im Brustkorb erschwerte mir das längere Sitzen enorm. Auch einzelne Stellungen durfte ich nicht gemäß meinem eigenen Körperempfinden ausführen, so dass sich mich unsicher und verkrampft darin fühlte. In der Vorwärtsbeuge drückte man mir als "Korrektur" auf die Knie, um die Beinrückseiten besser zu dehnen. Solche Korrekturen sind kontraproduktiv, weil sie gegen den solaren Typ arbeiten, der noch dazu bei mir so ausgeprägt ist, dass die Stellung als solche nicht mehr funktionierte. Im Dreieck brachte mich die Korrektur regelmäßig aus dem Gleichgewicht, wohl weil ich nicht so gerade stehen konnte, wie die Yoga-Modelle in einem Buch. Taijimeister Frieder Anders hat die Haltung der solaren Menschen als schräg beschrieben, im Gegensatz zu den gerade aufgerichteten Lunaren. Am schlimmsten empfand ich Asanas, bei denen man den Kopf in den Nacken legt wie zum Beispiel beim Fisch. Am Ende der Ausbildung begab ich mit einem Prolaps in der HWS in physiotherapeutische Behandlung.

Aus meinem Leidensdruck heraus empfand ich die Bücher als Offenbarung. Ich errechnete meinen Atemtyp und konnte nur bestätigen, was ich darüber las. Schlagartig fühlte ich mich aus jahrelangen Unterrichtsdogmen befreit.

Heute atme und bewege mich beim Yoga, so wie es mir, bzw. meinem Typ entspricht. Die passende Stellung der Beine, des Rumpfes, der Arme und Hände beeinflusst die Wirkung meiner Yogapraxis immens.

 

Gibt es Stellungen, die den einen Atemtypen mehr liegen als den anderen?

Ich liebe beispielsweise Stellungen wie den Helden, die Schildkröte oder den Bogen. Sie liegen den solaren Typen besonders. Im Helden stehe ich fast federnd auf den Ballen, während ich in die Schildkröte fließend hineingleite und das Geborgenheitsgefühl genieße, die sie mir gibt. Im Bogen schaukele ich gerne, spüre meine federnde Dynamik. Unangenehm oder zumindest unharmonisch empfand ich schon immer den Fisch. Er ist aber auch die Einatmer-Stellung schlechthin: Brustkorb weit, Kopf in den Nacken gelegt, die Zehen angezogen. Spannung in den Raum hinein pur! Auch das Kamel kann ich nicht besonders gut ausführen, aus ähnlichen Gründen wie den Fisch. Den Brustkorb weit nach oben zu dehnen und den Kopf in den Nacken zu legen empfinde ich als blockierend.

 

Welche Stellungen quälen den lunaren Einatmer?

Das ist etwas überspitzt formuliert. Aber eine für den eigenen Körper nicht passende Stellung kann, wenn man sie länger hält, tatsächlich qualvoll werden. Von vornherein quälend sind Yogastellungen aber nicht! Es kommt darauf an, sie typgemäß zu halten.

Der lunare Typ mag es zum Beispiel nicht, das Kinn gegen die Kehle zu pressen und dabei den Nacken deutlich zu dehnen. Laut Anna Trökes werden hier die Zone im Bereich des Oberkopfgelenks sowie die kurzen Nackenmuskeln überdehnt und überstrapaziert. Das kann zu schmerzhaften Nackenverspannungen und Spannungskopfschmerz führen. Der lunare Typ kann dem entgegenwirken, indem er seinen Brustkorb hebt, während er das Kinn senkt. Aber Vorsicht, nicht zu stark, um nicht ins Hohlkreuz zu geraten! Auch soll er das Kinn dabei nicht zu weit senken.

Generell sollte man, egal welchem Atemtyp man angehört, eine Stellung sofort verlassen, wenn sie sehr unangenehm ist oder schmerzt.

 

Gibt es Stellungen, die beiden Atemtypen gut tun?

Beide Typen können alle Stellungen gut üben, wenn sie sie typgerecht einnehmen. Das erleichtert auch das Atmen.
80 Prozent der Anweisungen, die in üblichen Yogastunden und Büchern für den Atem gegeben werden, sind meiner Beobachtung nach an Einatmern orientiert und passen nicht gut auf solare Menschen. Oft atme ich zum Beispiel aus, wenn ich zum Einatmen angewiesen werde und umgekehrt.

 

Wie kommt es, dass die Mehrzahl der Stellungen und Atemanweisungen lunar orientiert sind?

Ich nehme an, dies liegt an der Tradition. Große Yogameister wie Krishnamacharya (*18.11.88), Yogananda (*5.1.1893), Patthabi Jois (*26.7.1915) und Iyengar (*14.12.1915) waren lunare Einatmer. Gemäß deren Haltung entstand vermutlich die entsprechende Atemanweisung. Zum anderen orientieren sich auch Yogalehrer am Bild des Yoga. In Büchern und Zeitschriften sind meist Menschen abgebildet, die sich sehr gerade aufrichten und sich wunderbar aus der Brustwirbelsäule nach oben und hinten dehnen. Sie sitzen mit "vorbildlicher" Spannung. Dies entspricht weitgehend dem lunaren Typus.

 

Ist Yoga also generell besser für lunare Typen geeignet?

Ich denke nicht, dass man das so sagen kann. Immerhin scheint Desikachar (*21.6.1938), der Sohn Krishnamacharyas, ein solarer Atemtyp gewesen zu sein. Interessanterweise hat er verlangt, man solle sich nicht einfach an ein Yoga-Schema halten, sondern auf den jeweiligen Menschen, den man vor sich habe, meditieren. Was soviel bedeutet, dass ihm der Einzelne wichtig war und er erkannt hat, dass jeder etwas anderes braucht. 
Was nun die "Eignung" betrifft, liegen beispielsweise Standhaltungen den lunaren Einatmern laut Anna Trökes nicht so gut wie den solaren Typen. Wenn sie aber ihren Körperschwerpunkt nach hinten verlagern, so dass sie die Fersen gegen den Boden drücken und die Beine oder Kniegelenke strecken, dann gibt es einen Aufwärtsimpuls. Der lunare Mensch hebt dann noch Brustkorb und Kinn, damit baut er Spannung in den Raum hinein auf.

Der solare Mensch hingegen verlagert seinen Schwerpunkt im Stehen auf die Vorderfüße, lockert Hüft-, Knie und Fußgelenke und und nutzt die federnde Kraft seiner Muskeln. Der Brustkorb "hängt" an der Wirbelsäule, das Becken ist flexibel. Ein Solarer könnte sehr lange so stehen, während ein Lunarer schnell den Drang verspürt, aus seiner angespannten Stehhaltung heraus in Bewegung zu kommen.

 

Muß man jede Stellung detailgenau studieren, um typgerecht üben oder unterrichten zu können?

Als Yogalehrer sollte man die Anweisungen im Unterricht gemäß den Bedürfnissen der Teilnehmer formulieren können. Ich finde es für Lehrer wichtig, auch die Stellungen des Gegentyps am eigenen Körper bewußt zu erspüren. Dabei erfährt man auch, wie unangenehm es sein kann, gegen sein eigenes Körpergefühl anzuarbeiten. Genau das wird aber in der "normalen" Yogastunde durch einseitige Anweisungen verlangt. Warum wohl haben sich Anna Trökes und Margarete Seyd so umfassend und detailliert um jede einzelne Yogastellung bemüht? Wäre das nötig, wenn diese pauschal zu erfassen wären? Die Autorinnen haben nicht nur jede Asana analysiert, sondern auch eine Zusammenfassung für jede Kategorie von Stellungen geschrieben. Dort erläutern sie die Prinzipien für den jeweiligen Atemtyp im Sitzen, Stehen, Drehen, beim Vorbeugen, beim Zurückbeugen, bei Gleichgewichts- und Stützhaltungen sowie in der Entspannung. Wer eine bestimmte Asana nicht in dem Buch findet, kann über die Prinzipien und eigene Erfahrung zu einer stimmigen Haltungsanweisung gelangen. Innerhalb des gleichen Atemtyps sind die Körperwahrnehmungen der Menschen dennoch unterschiedlich. Deshalb ist  die Körperintelligenz des einzelnen Teilnehmers die entscheidende Instanz dafür, wie die Stellung am Ende tatsächlich ausgeführt wird.

 

Wäre es möglich, den Unterricht so zu gestalten, dass die Teilnehmer von vornherein selber fühlen, wie sie am besten stehen, sitzen, sich bewegen und atmen?

Das ist das Ziel des Hatha-Yoga-Unterrichts: Den eigenen Körper achtsam und unverstellt wahrzunehmen, seine Möglichkeiten einzusetzen und zu erweitern, so dass Körper und Geist zur Ruhe kommen können. Doch leider haben nicht (mehr) alle Teilnehmer von vornherein ein gutes Körpergefühl. Sie wurden vielleicht dazu erzogen, in einer bestimmten Art und Weise zu sitzen. Mein Vater zum Beispiel war lunarer Einatmer und hat mir als Kind beigebracht, anders zu gehen, weil mein (solarer) Gang nicht seinem ästhetischen Empfinden entsprach. Er forderte mich oft auf, mehr zu laufen und nicht so "herumzustehen". Manche Menschen hatten vielleicht ein Vorbild des Gegentyps. Auch Stress kann die Ursache sein, warum man nicht gut in einer Stellung bleiben kann. Wenn ich jedoch als Lehrerin den Atemtyp meiner TeilnehmerInnen kenne, kann ich sie darin unterstützen, die Möglichkeiten ihres eigenen Körpers zu erforschen. 

Ohne die Kenntnis der Atemtypenlehre wäre generell freilassender Unterricht für die Teilnehmer zunächst besser als falsche Korrekturen oder Hilfestellungen. Als Yogalehrer haben wir nämlich gelernt, wie man Stellungen durch entsprechende Berührungen "verbessert". Auch dies entspricht meist dem lunaren Bild. Mit der Zeit unterrichten viele Yogalehrende zunehmend gemäß ihrem eigenen Atemtyp. Mit dem Ergebnis, dass irgendwann die Mehrzahl der Teilnehmer dem Atemtyp des Yogalehrers entspricht. Die anderen hören mit dem Yoga (oder bei dieser Lehrkraft) auf, ohne zu ahnen, warum sie nicht zurechtkommen. Freilassend allein funktioniert also auf Dauer auch nicht.

 

Wenn die Atemtypenlehre in der Praxis so hilfreich ist, warum ist sie  nicht verbreiteter bei Yogalehrenden?

Das Buch von Trökes/Seyd erschien erst 2008. In den meisten Yogalehrer-Ausbildungen, egal welcher Stilrichtung, wird nach der Jahrtausende alten Tradition gelehrt, neueste Erkenntnisse weniger berücksichtigt. Ein weiteres Hindernis ist, dass es einige Menschen vehement ablehnen, sich kategorisieren zu lassen. Aus welchen Gründen auch immer, sie fühlen sich eingeengt von der Vorstellung, einem bestimmten Atemtyp angehören zu sollen (oder diesen zu lehren). Vielleicht glauben sie, sie dürften sich nicht mehr so bewegen, wie sie es gewohnt sind und fühlen sich unsicher. Wenn beispielsweise die eigene Mutter den gegenteiligen Atemtyp hatte, kann es schwierig werden, denn ein Kind ahmt zunächst die Mutter nach und übernimmt auch deren Vorstellungen. Haltung und Bewegung werden über die Jahre als Teil der eigenen Persönlichkeit empfunden, die gibt man nicht in kurzer Zeit auf.

Das Haupthindernis sehe ich allerdings darin, dass es für Lehrer ziemlich aufwendig ist, die Typenlehre zu durchdringen. Das Buch von Trökes/Seyd ist eher lexikalisch zu benutzen, der Weg in die Stellung hinein und wieder heraus wird nicht beschrieben. Man braucht hohes Engagement, daraus eigene Anweisungen zu entwickeln. Es bedeutet, viele Fakten durchzuarbeiten und sich Zeit zu nehmen, das Gelernte an sich selbst und mit anderen zu erproben. Manche lehnen es rundweg ab, sich überhaupt mit Atemtypen zu beschäftigen, weil es ihr Konzept infrage stellt. Ein weiteres Gegen-Argument ist, dass es den Unterricht komplizierter macht, weil man eigentlich zwei gegensätzliche Yogastunden in einer unterbringen muß.

 

Geben Sie alle Anweisungen im Unterricht doppelt?

Aus meiner Erfahrung ist es zum Glück nicht nötig, alle Übungen in aller Ausführlichkeit "zweisprachig" anzusagen. Ich habe fast zwei Jahre in engem Kontakt mit einer Yogalehrerin des Gegentyps gearbeitet und experimentiert, um kurze und treffende Ansagen für beide Typen zu entwickeln. Ich übe und verbessere mich immer noch. Doch ernte ich viel Lob von meinen Teilnehmern dafür, und ich erlebe es mit Begeisterung: Wer seinem Typ entsprechend üben kann, findet mit Yoga zur inneren Kraft und Lebendigkeit, zu Leichtigkeit und Freude.

 

 

LINKS

Meine Musik-Seite www.musik-spirit.de: Atemtypen im Musikunterricht

Yoga-Lehrende, die das Konzept der Atemtypen zur Grundlage ihres Unterrichts gemacht haben:
www.yoga-michelstadt.de Birgit Maria Siefert hat unter anderem Übungen für den Beckenboden nach Atemtypen entwickelt.

Weitere Yogalehrer sind gerne eingeladen, mir Ihre Webseite zu nennen, ich würde mich freuen, einen Pfad zu Ihrer Seite einzurichten. Ein Netz von Yogalehrenden würde dieses wichtige Thema im Yoga-Unterricht bewusster machen.

 

Weiterführende Literatur:

Anna Trökes / Margarete Seyd: "Yoga und Atemtypen: Fachbuch für eine individuelle Yogapraxis für Lehrende und Lernende"

Frieder Anders und Judith Hechler: "Innere Kraft durch Atemtyp Qigong: Gesund durch richtiges Atmen"

Frieder Anders: "Taiji, Atemenergetik und Biomechanik. Der Weg zur Inneren und Äußeren Technik"

Christian Hagena: "Grundlagen der Terlusollogie"

Christian Hagena: "Terlusollogie, durch typgerechtes Atmen zu mehr Körpergefühl und Gesundheit"

Dr. Rosina Sonnenschmidt: "Das Praxisbuch der lunaren und solaren Atemenergetik"

Romeo Kia / Renate Schulze- Schindler: "Sonne, Mond und Stimme: Atemtypen in der Stimmentfaltung"

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